Um mitzumachen, melde dich bitte an.
  • Das unersättliche Selbst

    Diskussion · 1 Beitrag · 1 Gefällt mir · 112 Aufrufe
    Fritz aus Edingen-Neckarhausen

    Ein aktuelles Buch von Thomas Fuchs. Von ihm habe ich auch Vorlesungen gehört, zur "Leiblichkeit von Affekten", hier an der Uni Heidelberg.

     

    Fuchs 01.JPG

     

    Fuchs ist Professor für Psychiatrie hier, und kennt als Kliniker sicher die Persönlichkeitsstörungen, wie den "klinischen" Narzissmus.

     

    In seinem Buch stellt er die Frage, inwieweit Narzissmus in unserer Gesellschaft verankert ist, ja gefördert wird. Er nimmt also auch die subklinischen Gesellschaftsformen in den Blick.

     

    Sehr interessant! Das Inhaltsverzeichnis klingt vielversprechend:

     

    Fuchs 04.JPG
    Fuchs 05.JPG
    Fuchs 06.JPG

     

    Narzissmus ist allgegenwärtig – als Modewort, moralischer Vorwurf, Gesellschaftsdiagnose oder klinischer Befund. Doch was verbirgt sich dahinter? Und warum sind narzisstische Menschen nicht zufriedenzustellen – unersättlich? Thomas Arnold und Thomas Fuchs entwerfen in ihrem grundlegenden Buch eine neue, phänomenologisch-existenziale Sicht des Narzissmus. Das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis erweist sich hier als Ausdruck einer existenziellen Leere: eines leiblich gespürten Mangels an Selbstwert, der durch äußere Bestätigung, Attraktivität oder Macht nie dauerhaft gestillt werden kann.

    Zugleich ist der Narzissmus ein Spiegel der spätmodernen Seele, und gerade in einer Kultur der Individualisierung – von Social Media bis Therapie, von Echo bis Instagram – gilt es zu verstehen, warum Bestätigung von außen niemals satt macht. Arnold und Fuchs führen philosophische, soziologische, psychologische und psychodynamische Erkenntnisse zusammen, um zu einem tieferen Verständnis für die Strukturen narzisstischer Subjektivität in Individuum und Gesellschaft zu gelangen. Gibt es auch gesunden Narzissmus? Wieso sind echte Begegnungen für Narzissten so schwierig? Und was haben Virtualität, Verschwörungstheorien und extreme Politik mit Narzissmus zu tun? Ein hochaktuelles Buch, das uns den Spiegel vorhält.

     

    Da gibt es viel zu diskutieren!

    05.04.26, 03:25

Beiträge

  • 05.04.26, 10:51 - Zuletzt bearbeitet 05.04.26, 10:52.

    Treibt Mangel Individuen und Gesellschaften des Westens an?

    Narzissmus als Motor des Systems: So argumentieren die Autoren Thomas Fuchs und Thomas Arnold in ihrem Buch.

    Fuchs 07.JPG

    „Soziale Medien gleichen damit dem Teich des Narziss“, schreiben die Autoren; auf der Wasseroberfläche erkennt er sein Spiegelbild. Auf dem Bild zu sehen ist der „Narziss-Brunnen“ im Garten des Bayerischen Nationalmuseums in München.

     

    Heutzutage kann man schon den Eindruck gewinnen, dass der Narzissmus den Globus regiert – dass er ihn zumindest stark durchrüttelt. Dabei mischen einerseits "narzisstische Führerfiguren" wie Donald Trump mit. Andererseits sind aber auch Milliarden von Menschen in den digitalen Spiegelwelten unterwegs.

    Vor diesem Hintergrund legen die Heidelberger Autoren Thomas Arnold und Thomas Fuchs ihr aktuelles Buch zum Thema vor. Arnold fungiert als Akademischer Rat am Philosophischen Seminar, und Fuchs ist Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität.

    Weit verbreitet ist die Sicht, die Narzissmus als Selbstliebe fasst. Hier aber lautet die zentrale These: "Das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis erweist sich als Ausdruck einer existenziellen Leere: eines leiblich gespürten Mangels an Selbstwert, der durch äußere Bestätigung, Attraktivität oder Macht nie dauerhaft gestillt werden kann." Die Betroffenen bleiben "unersättlich".

    Um zu einem tieferen Verständnis für diese Form der Subjektivität beim einzelnen Menschen wie auch in er Gesellschaft zu gelangen, führen Arnold und Fuchs philosophische, soziologische, psychologische und psychodynamische Erkenntnisse zusammen.

    Blättert man in dem Band, so stößt man auf einen facettenreichen Streifzug durch die Literatur- und Kulturgeschichte. Schon in der Antike enthalten Ovids "Metamorphosen" den elementaren Mythos. Darin verliebt sich Narziss an einem Teich in sein Spiegelbild; als er es dann als solches erkennt, ist er zutiefst erschüttert.

    Und in der modernen Fantasy-Literatur wird auf eine narzisstische "Harry Potter"-Figur verwiesen: "Es ist kein Zufall, dass der hochbegabte Lord Voldemort immer wieder an einem Phänomen scheitert, das ihm offensichtlich völlig unbekannt bleiben muss: an der Liebe. Während Harrys Eltern sich für ihn opfern, kommt der spätere Voldemort als Kind in ein geradezu mittelalterliches Waisenhaus, in dem er emotional völlig alleingelassen wird."

     

    https://www.rnz.de/kultur/wissen_artikel,-Heidelberg-Treibt-Mangel-Individuen-und-Gesellschaften-des-Westens-an-_arid,2176504.html

     

Interesse geweckt? Jetzt kostenlos registrieren!

Du bist nur einen Klick entfernt. Die Registrierung dauert nur 1 Minute.