Das war ein wundbares langes Wochenende
Als Auftakt habe ich eine Tour in den Triebener Tauern gewählt, den großen Grießstein und den Sonntagskogel, die ich mit bekannten und neuen Mitgliedern von GE angetreten habe. Auffahrt von Hohentauern ins Bärental. Leider zeigte sich hier schon das nicht ideale Wetter und das schlechte Omen hat sich am Rauchauftörl dann bewahrheitet, der Gipfel hüllte sich in Nebel ein und schickte auch schon ein leichtes Nieseln herab. Etwas betrübt, aber sicherheitshalber drehten wir um, spülten die Enttäuschung mit einem Zirberl hinunter. Zurück am Triebener Törl zeigte sich plötzlich der Sonntagskogel frei, also nichts wie hinauf. Eine leichter Steig, gespickt mit einigen freien Kletterstellen, brachte uns ans zweite Ziel dieser Tour. Nach einer Jause in der Sonne und doch zufrieden ging’s zurück zum Ausgangspunkt.
Tags darauf folgte die länger schon geplante Tour zum Hochfeiler, mit 3.509 m der höchste Gipfel der Zillertaler Alpen. Der Treffpunkt der Teilnehmer war am P der Pfitscherjochstraße. Gut gelaunt ob des angekündigt herrlichen Wetters zogen wir flotten Schrittes den Steig zur Hochfeilerhütte hinauf. Das Wetter und die Kondition haben, nach einer kurzen Pause auf der Hütte, einfach zum Weitergehen eingeladen. Die Kärntner Truppe nahm den Gipfel in Angriff, die anderen bevorzugten eine Rast und den Gipfel am Folgetag. Ziemlich flotten Schrittes gings den Normalweg weiter bergauf, vollkommen ohne Schnee- und Gletscherberührung am Südwestgrat. Fast schockierend war das Bild der einmal so mächtigen Gletscher in ihrem jetzigen Zustand. Die riskanten Gletscherrouten werden auch immer weniger begangen. In der abendlichen Sonne erreichten wir ohne Probleme den Gipfel. Es bot sich eine unendlich klare Weitsicht über den halben Alpenzug im Norden mit allen Teilgruppen und die Dolomiten im Süden. Nach einer Gipfeljause und an Zirbale als Belohnung traten wir im vollsten Sonnenschein den Rückabstieg zur Hütte an, wo wir mit dem anderen Teil der Gruppe einen gemütlichen Abend verbrachten. Nach einem „üblichen“ Hüttenschlaf im Mehrbettzimmer, gespickt durch die eine oder andere Schnarcherei, und einem wunderbaren Frühstück ging’s hinab ins Tal, während der zweite Teil der Gruppe den Gipfel auch noch bei traumhaftem Wetter bezwang. Am Rückweg kehrten wir in Südtirol noch in der Pizzeria Helm auf ein gutes Abschlussessen ein, es war einfach der abschließender Lohn für die Anstrengung bei der Tour.
Und um möglichem Muskelkater vorzubeugen nahm ich tags darauf noch eine kleinere Tour zum Schoberriegel und zur Gruft auf der Turrach in Angriff. Die zweite Absicht, einige Preiselbeeren zu ernten, erfüllte sich nur halb, es waren scheinbar einige „Vorläufer“ schon da. Es blieben nur mehr die Reste über. Aber als Entschädigung konnte ich noch einen herrlichen Sonnenuntergang am Schoberriegel miterleben und noch bei Dämmerungslicht den Parkplatz erreichen.
Vier Tage Berg mit 19 Std Gehzeit, 38 km und 3.550 Hm braucht Pause!
Eine gelungene Schober-Frauenkopf-Tour, die kurzfristig entschieden wurde. Der vielleicht letzte hochsommerliche Abend in diesem Jahr wurde sportlich von unserem 4er-Team für eine Standard After Work-Tour genützt. Wie immer waren wir nicht allein am 1. Gipfel, jeder genoss den Sun Downer noch in vollen Zügen. Ich danke der netten Gruppe für die Begleitung!
Wanderung von Gössl zum traumhaft schönen Toplitzsee
Steiermark 💚
🥾Korsika GR20 Nord – Tag 9
Refuge Petra Piana → Vizzavona
23,5 km | 1.334 hm
Cola, Twix und 800 Höhenmeter 🥤🍫
Frühstückslos und angeschlagen ging es weiter. Der Magen noch etwas beleidigt, die Motivation irgendwo zwischen „wird schon“ und „warum tun wir uns das eigentlich an?“.
Erstaunlicherweise kamen wir zunächst ziemlich gut voran (ging ja auch lange bergab). Bis zum Bivouac de l'Onda lief es besser als erwartet.
Dort angekommen war allerdings klar: Pause!
Da sich weit und breit kein vernünftiger Schattenplatz auftreiben ließ, nahm ich kurzerhand einen Holztisch für ein Nickerchen in Beschlag. Tisch statt Liege, Jacke statt Kopfkissen – der GR20 macht erfinderisch.
Zum Glück hat sich niemand beschwert (mit Schuhen am Tisch🙈). Vermutlich sah ich auch so aus, als wäre eine Diskussion darüber nicht besonders sinnvoll.
Das Mittagessen fiel ebenfalls eher unter die Kategorie „medizinisch notwendige Kalorienzufuhr“:
Cola und Twix.
Auf der Tafel stand zwar eine Gemüsesuppe, die für uns perfekt gewesen wäre, aber die Köchin war nicht gewillt damit herauszurücken... Ebenso gab es keine Sandwich obwohl's dort stand. Verstehe einer die Korsen...
Und dann war da wieder das Wasser.
Das korsische „Quellwasser“ kam erneut warm aus dem Hahn.
Nach den Erfahrungen vom Vortag war mein Vertrauen inzwischen auf einem historischen Tiefpunkt. Also durfte das Wasser wieder durch meinen Filter. Sicher ist sicher.
Kurz überlegten wir, ob wir einfach hierbleiben sollten. Die Vernunft sagte:
„Ihr seid angeschlagen. Bleibt hier.“
Der Ehrgeiz sagte:
„Ach komm, wird schon, und außerdem gibt's hier offensichtlich nichts zu essen..."
Also mobilisierten wir die letzten Kräfte und machten uns auf den Weg.
Und dann warteten etwa 800 Höhenmeter in der Mittagshitze auf uns.
Eine zache Partie.
Die Sonne brannte, die Beine waren schwer und der Körper erinnerte uns immer wieder freundlich daran, dass er eigentlich gerade mit Magen-Darm beschäftigt war und nicht mit Bergsteigen.
Aber irgendwie ging es weiter.
Schritt für Schritt.
Kurve für Kurve.
Und irgendwann war auch dieser Aufstieg geschafft.
Dafür kam jetzt der Abstieg.
Und der zog sich.
Und zog sich.
Und zog sich noch ein bisschen.
Auf dem GR20 scheint er eine eigene Zeitzone zu besitzen.
Da war nochmals ein Powernap notwendig um die Kräfte zu mobilsieren.
Aber irgendwann tauchte es tatsächlich vor uns auf:
Vizzavona! Endlich!
Hier befindet sich die Grenze zwischen GR20 Nord und GR20 Süd – und außerdem eine Haltestelle des berühmten korsischen Ruckelzuges zwischen Bastia und Ajaccio.
Nach den vergangenen beiden Tagen waren wir jedenfalls ziemlich froh, wieder etwas mehr Zivilisation vorzufinden
Und nach 23,5 Kilometern und 1.334 Höhenmetern fühlte sich allein der Gedanke daran schon fast wie ein Wellnessprogramm an.
Man kann sagen: Wir waren nicht fit – aber wir waren hartnäckig. Oder einfach zu stur zum Aufgeben.
Wir haben den Nordteil des GR20 geschafft. Der Süden kann warten!
🥾Korsika GR20 Nord – Tag 8
Refuge Manganu → Refuge Petra Piana
9,3 km | 793 hm
Das große Unwohlsein 🤢
Tagwache 5:00
Alles zusammenkramsen, Zelt abbauen und irgendwie Ordnung in das Chaos bringen. Das dauert.
Dann stand das korsische Bergfrühstück an. Kein kulinarisches Highlight – heute wollte es allerdings überhaupt nicht runter.
Der Magen fühlte sich flau an. Irgendwas stimmte nicht.
Vom Refuge ging es dann auch noch sofort rund 700 Höhenmeter bergauf. Keine sanfte Aufwärmrunde, kein gemütliches „Guten Morgen, lieber Wanderer“. Nein, Korsika meinte offenbar: Wenn ihr schon krank seid, dann testen wir das jetzt richtig.
Meine Muskeln fühlten sich leer an. Die Kraft war irgendwo – vermutlich im Tal geblieben. Jeder Schritt wurde zur Verhandlung mit dem eigenen Körper.
„Nur noch bis da oben.“
Ich musste immer wieder stehen bleiben und dachte ernsthaft: Das schaffe ich nicht. Ich komme da niemals rauf.
Und dann erwischte es auch Hannes. Ab Mittag fühlte auch er sich zunehmend schlapp.
Wir hatten uns offensichtlich etwas eingefangen.
Magen-Darm-Trakt auf korsisch.
Das Refuge de Petra Piana wäre heute eigentlich ungefähr unsere Halbzeit gewesen. Der Plan war also durchaus ambitioniert. Die Realität hatte allerdings einen anderen Zeitplan.
8 Stunden später erreichten wir schließlich das Refuge.
Halbzeit?
Nein.
Endstation.
Mehr war heute einfach nicht drin.
Bei Gesprächen mit Wanderern aus verschiedenen Nationen stellte sich dann heraus: Wir waren keineswegs die Einzigen, denen es so ging. Offenbar hatte es einige erwischt.
Da allerdings nicht alle dasselbe gegessen hatten, lag ein Verdacht nahe: die Quelle.
Und spätestens als das Quellwasser im Refuge Petra Piano warm aus dem Hahn kam, war das Vertrauen in die korsische Trinkwasserversorgung endgültig dahin.
Ab heute gilt daher:
Wasserfilter!
Denn Abenteuer ist schön – aber bitte nicht im Darm.
Ein Este erwies sich schließlich als mein persönlicher Sanitätsengel und schenkte mir ein Sachet Siliciumgel und zwei Kohletabletten.
Noch vor Sonnenuntergang lagen wir bereits tief in unseren Daunenschlafsäcken. Kein gemütliches Zusammensitzen, kein langer Hüttenabend.
Einfach nur:
Rein in den Schlafsack. Augen zu. Hoffen, dass morgen wieder Menschen aus uns geworden sind.
Infrastruktur am Refuge Petra Piana
🚿 Duschen: 4
🚽 Toiletten: 4
🚰 Waschbecken: 2
💧 Quellwasser: kommt warm aus dem Hahn raus?! Ich habe 2x nachgefragt, ob es trinkbar ist...
🦠 Vertrauen in die Quelle: ab heute eher überschaubar
🎒 Wanderlust: vorübergehend im Energiesparmodus
Fazit des Tages:
9,3 Kilometer können sich anfühlen wie 30, und
793 Höhenmeter unüberwindbar...
Durchhalten! ✊️💪
Am zweiten Tag ging es nach einen reichhaltigen Frühstück auf die nächste Tour.
Diebtour startete in Obertauern und ging über Forststraße hinauf zur Plattenkarbahn. Der Weg wurde steiniger und steiler hinauf zum Plattenkar-Sattel. Dort hat man die Wahl rechts auf die Gamskarlspitze 2411m oder links gleich Richtung Plattenspitze zu gehen. Ich entschloss mich aber für die Gamskarlspitze. Der Ausblick von oben war traumhaft schön. Von der Gamskarlspitze ging es über die Plattenspitze 2294 zum Hundskogel 2239m. Nach einer kurzen Stärkung am Hundskogel macht ich mich auf den Weg Richtung Obertauern. Da ich aber zeitlich noch so früh dran war und ein Schild gesehen habe wo drauf stand Oberhütte 1h, machte ich noch einen Abstecher dort hin. Es war die richtige Entscheidung. Dort ist ein wunderschöner Bergsee und man kann auf der Hütte 🛖verweilen. Nach einer Hydrationbreak ging es dann auf den gleichen Weg wieder zurück Richtung Obertauern. Vorbei am Gipfelkreuz Seekarscharte zum Seekarhaus auf einen leckeren Apfelstrudel. 😋
Danach war nach der restliche Weg nach Obertauern zurück zulegen und nach 18km und sehr heißen 🥵🥵 aber schön Tag stand nur noch Wellnessen und relaxen am Programm.
🥾Korsika GR20 Nord – Tag 7
Castel de Vergio → Refuge de Manganu | 17 km | 750 hm
Ein Bett ist ein Bett – da schläft es sich nett. 😴
Nach den vergangenen Nächten im „slippery sleep“-Modus war das Hotelbett in Castel de Vergio purer Luxus. Keine Schräglage, keine wandernde Luftmatratze und vor allem: kein nächtliches Abrutschen ins Tal. Herrlich!
Die Tagwache klingelte trotzdem bereits um 5:30 Uhr. Warum? Weil um 6:00 Uhr der Shop für die Wanderer öffnet. Und nach unserem Frühstücks-Reinfall vom Vortag hatten wir gelernt: Heute wird vorgesorgt!
Also Frühstück eingekauft, Kalorien gebunkert und um 7:00 Uhr ging es los.
Heute stand mit rund 750 Höhenmetern eine vergleichsweise entspannte Etappe auf dem Programm – zumindest laut Papier. Das Gelände bewegte sich ungefähr auf T2-Niveau, was nach den bisherigen Etappen im Norden fast wie ein Wellnessprogramm klang.
Denn die hatten es wirklich in sich: Immer wieder T4-Passagen mit Klettereinlagen, dazu teilweise ausgesprochen anspruchsvolles Gehgelände. Der GR20 Nord wird seinem Ruf mehr als gerecht.
Ein Highlight des Tages war der Lac de Nino. Rund um den See breitet sich eine ganz besondere Landschaft aus, die von den Einheimischen Pozzine genannt wird. Eine grüne Wiesenlandschaft, durchzogen von kleinen Wassermulden, Rinnsalen und feuchten Stellen. Weidevieh
Sieht wunderschön aus – und fühlt sich ein bisschen so an, als hätte jemand die Alpen mit einer Wasserlandschaft gekreuzt. 🌿💦
Ab hier wurde der Weg tatsächlich fast zum Spaziergang.
Also zumindest, was die Steigung betraf.
FLACH!
Nach den bisherigen Erfahrungen war das geradezu verdächtig. 😂
Wir genossen das ungewohnte Gefühl, einfach dahinlaufen zu können, ohne ständig überlegen zu müssen, wo man den nächsten Fuß hinsetzt oder ob man den Weg nun eher als Klettersteig oder Wanderweg klassifizieren sollte.
Erst kurz vor dem Refuge de Manganu zog der Weg noch einmal etwas an. Ein kleiner letzter Anstieg, quasi als Erinnerung des GR20:
„Freut euch nicht zu früh – ich bin immer noch der GR20!“ 😈
Im Refuge angekommen, hieß es erst einmal: Beine hoch und Feierabend.
Abendprogramm 🍝
Zum Abendessen gab es heute: ÜBERRASCHUNG!
Nudeln mit Tomatensauce.
Keine kulinarische Offenbarung, aber nach 17 Kilometern und 750 Höhenmetern gilt ohnehin eine ganz einfache Regel:
Wenn es warm ist und Kalorien hat, ist es Haute Cuisine. 😂
Bis 17:00 Uhr bekommt man im Refuge außerdem noch kleine Snacks – für den Fall, dass die Nudeln allein nicht reichen, um die inneren Akkus wieder aufzuladen.
Infrastruktur-Check 🚿
Das Refuge Manganu kann mit folgender Ausstattung punkten:
🚿 Duschen: 4
🚽 Trockentoiletten: 4
🧼 Waschbecken: 2
Nach mehreren Tagen GR20 ist eine warme Dusche übrigens kein gewöhnlicher Bestandteil der Infrastruktur mehr.
Das ist Wellness. Luxus. Zivilisation. Ein Geschenk des Himmels. 😇
Fazit des Tages:
Eine vergleichsweise entspannte Etappe, wunderschöne Landschaft am Lac de Nino und endlich einmal längere Zeit FLACH.
Schlimm